Name: MM13
Länge: 301km
Dauer: 9 Std
Höhe: 1680 m
Fazit: 300 Kilometer voller Gegensätze: Mittlerer Atlas, Fès, einsame Nebenstrecken, blühende Landschaften, ein großer Stausee, schlechte Asphaltpassagen und schließlich die berühmte blaue Stadt. Besonders die ursprüngliche Nebenstrecke bleibt uns in Erinnerung – allerdings sollte man den ungeteerten Abschnitt bei der Routenplanung für reine Straßenmotorräder unbedingt berücksichtigen.
Tag 13 – Durch den Mittleren Atlas zur blauen Stadt
300 Kilometer liegen heute vor uns – und eine wichtige Entscheidung. Hinter Fès müssen wir uns überlegen, ob wir die direkte Verbindung Richtung Chefchaouen nehmen oder die landschaftlich ursprünglichere Nebenstrecke wählen. Bis zum Aussichtspunkt oberhalb von Fès verlaufen beide Varianten gemeinsam. Dort können wir uns die Entscheidung sogar noch offenhalten. Wir entscheiden uns schließlich für die ursprüngliche Variante – und erleben damit einen der landschaftlich schönsten Abschnitte unserer gesamten Reise. Allerdings gibt es einen wichtigen Hinweis für alle, die mit reinen Straßenmotorrädern unterwegs sind: Bei unserer Befahrung enthielt diese Variante einen etwa 3,2 Kilometer langen ungeteerten Abschnitt sowie teilweise schlechte Asphaltstücke. Wer ausschließlich befestigte Straßen fahren möchte, sollte unbedingt die direkte Alternative wählen.
Durch den Mittleren Atlas

Gegen 9 Uhr sitzen wir wieder auf den Motorrädern. Bevor wir losfahren, tanken wir noch einmal und verlassen unseren Übernachtungsort in Richtung der höher gelegenen Bergregion. Die Straße ist zunächst breit und gut ausgebaut. Zügig geht es durch den Mittleren Atlas. Die Landschaft ist grün, die Luft angenehm kühl und wir merken schnell, dass wir heute wieder deutlich mehr Höhenmeter sammeln werden. Nach einiger Zeit erreichen wir eine bekannte Bergstadt auf rund 1.650 Metern Höhe. Gepflegte Grünanlagen, Parks und die kühle Bergluft lassen sie tatsächlich etwas anders wirken als viele andere Orte in Marokko. Für uns ist sie vor allem ein schöner Zwischenstopp auf dem Weg nach Fès.
Ein Löwe als Fotomotiv
Direkt an der Strecke entdecken wir eine bekannte steinerne Löwenstatue. Für uns gehört ein kurzer Fotostopp einfach dazu. Rundherum gibt es kleine Verkaufsstände mit Tonwaren, Gewürzen und Souvenirs. Wir schauen uns kurz um und setzen anschließend unsere Fahrt fort. Je näher wir Fès kommen, desto stärker nimmt der Verkehr zu.
Fès – die Stadt von oben

Unser Ziel ist diesmal nicht die Medina, sondern zunächst ein Aussichtspunkt oberhalb der Stadt. Mit den Motorrädern können wir bis nach oben fahren und in der Nähe der historischen Anlage parken. Ein kurzer Fußweg führt uns anschließend zum Aussichtspunkt. Und dann liegt die riesige Stadt vor uns. Von hier oben bekommen wir einen hervorragenden Überblick über die historische Medina und die zahlreichen Gebäude, die sich scheinbar endlos über das Tal und die umliegenden Hänge ausbreiten. Für Fès sollte man sich allerdings deutlich mehr Zeit nehmen. Wir haben die wichtigsten Sehenswürdigkeiten deshalb in einem eigenen Kapitel zusammengefasst. Wer Zeit hat, dem empfehlen wir unbedingt einen zusätzlichen Tag für Fès einzuplanen. Die Stadt ist viel zu interessant, um sie zwischen zwei Motorradtagen nur schnell abzuhaken.
Die große Entscheidung: direkte Strecke oder Nebenroute?
Am Aussichtspunkt treffen wir unsere Entscheidung. Die direkte Variante führt auf breiteren und besser ausgebauten Straßen weiter Richtung Chefchaouen. Sie ist die bessere Wahl für alle, die möglichst unkompliziert und ausschließlich auf Asphalt unterwegs sein möchten. Wir entscheiden uns dagegen für die ursprünglichere Variante. Warum? Weil wir Lust auf das ländliche Marokko haben. Die Strecke führt weit weg von den üblichen Touristenrouten, durch kleine Dörfer, über einsame Straßen und später entlang eines großen Stausees. Aber nochmals der wichtige Hinweis: Bei unserer Befahrung gab es einen rund 3,2 Kilometer langen ungeteerten Abschnitt. Die Piste war damals breit und für uns problemlos fahrbar. Zusätzlich gab es mehrere marode Asphaltstellen. Für eine reine Straßenmotorrad-Tour würden wir diese Variante deshalb nicht als reguläre Empfehlung aussprechen. Wer keinen unbefestigten Untergrund fahren möchte, sollte die asphaltierte Alternative nehmen.
Noch einmal volltanken
Bevor wir Fès endgültig hinter uns lassen, tanken wir noch einmal voll. Das ist auf dieser Strecke durchaus sinnvoll. Auf den folgenden rund 150 Kilometern gibt es hauptsächlich kleinere Tankstellen. Ob diese tatsächlich geöffnet sind, sollte man nicht als selbstverständlich betrachten. Danach wird es schnell ruhiger.
Grüne Hügel und ein Meer aus Blüten

Wir fahren durch eine Landschaft, die uns immer wieder zum Staunen bringt. Die Wiesen stehen in voller Blüte. Je nach Jahreszeit leuchten ganze Hänge gelb oder violett. Gerade im Frühjahr muss diese Region ein beeindruckendes Blütenmeer sein. Irgendwann verlassen wir die größere Verbindungsstraße und biegen auf eine kleinere Nebenstrecke ab. Und genau hier beginnt für uns der eigentlich spannende Teil des Tages.

Durch das ländliche Marokko

Die Straße wird schmaler. Der Verkehr nimmt deutlich ab. Plötzlich fühlt sich Marokko wieder ganz anders an. Wir fahren durch kleine Dörfer und sehen Hirten mit ihren Tieren. Esel, Schafe und Kühe gehören hier ganz selbstverständlich zum Straßenbild. Dann erreichen wir einen größeren Ort – und ausgerechnet heute ist Markttag. Wir fahren langsam durch das geschäftige Treiben und sind überrascht, wie wenig Aufmerksamkeit wir bekommen. Offenbar sind Touristen auch hier längst keine absolute Besonderheit mehr. Die Kinder interessieren sich allerdings sehr wohl für unsere Motorräder. Der Markt selbst ist für uns ein echtes Erlebnis. Eselsgespanne sind unterwegs, Menschen sitzen auf ihren Tieren und die Waren des täglichen Lebens werden direkt auf dem Markt angeboten. Als wir besonders langsam durch die Menschenmenge fahren, kommen plötzlich zwei Jungs im Alter von ungefähr 12 bis 14 Jahren mit ihren Maultieren angeritten. Und dann animieren sie uns tatsächlich zu einem kleinen Rennen. Noch bevor wir richtig reagieren können, galoppieren sie davon. Wir müssen schmunzeln und denken sofort an unsere eigene Kindheit. Genau für solche Begegnungen fahren wir solche Nebenstrecken.
Schlechter Asphalt, aber fantastische Landschaft
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Nach dem Markt wird der Straßenbelag zunehmend schlechter. Teilweise sind nur noch einzelne Teerreste vorhanden. Für uns ist die Strecke trotzdem gut fahrbar – allerdings nur mit entsprechend reduziertem Tempo und voller Aufmerksamkeit für den Untergrund. Und wieder zeigt sich: Die Landschaft ist deutlich schöner, als es der Straßenzustand vermuten lässt. Grüne Hügel, kleine Dörfer und praktisch keine Touristen. Hier verirrt sich kaum jemand hin. Und genau deshalb erleben wir ein Marokko, das wir auf den großen Verbindungsstraßen niemals kennenlernen würden.
Entlang des großen Stausees

Irgendwann erreichen wir den Bereich eines der großen Stauseen Marokkos. Und jetzt wird die Strecke richtig schön. Eine kleine, kurvige Asphaltstraße zieht sich durch das Hinterland des Sees und steigt langsam an. Je höher wir kommen, desto besser wird die Aussicht. Oben angekommen, liegt das Wasser weit unter uns. Vor uns breitet sich eine fantastische Landschaft aus: der See, die umliegenden Hügel und eine Straße, die sich scheinbar perfekt durch diese Landschaft schlängelt. Das Beste daran: Diese Landschaft begleitet uns über rund 20 Kilometer. Mal fahren wir näher am Wasser, mal etwas weiter davon entfernt. Kurven wechseln sich mit kleinen Anhöhen ab und der Verkehr bleibt verschwindend gering. Für uns ist das einer der landschaftlichen Höhepunkte der gesamten Strecke.
Weiter über die Hügel

Am Ende des Sees überqueren wir eine Brücke und setzen unsere Fahrt über die Hügel fort. Die Straße bleibt klein und kurvenreich. Wir genießen die Einsamkeit. Nur selten kommt uns ein Fahrzeug entgegen. Doch irgendwann zeigt die Strecke noch einmal ihre besondere Seite.
Der 3,2-Kilometer-Pistenabschnitt
Plötzlich beginnt der angekündigte ungeteerte Abschnitt. Rund 3,2 Kilometer fahren wir nun über eine breite Piste. Bei unserer Befahrung ist der Untergrund für uns problemlos fahrbar. Trotzdem möchten wir diesen Abschnitt für unseren Reiseführer ausdrücklich einordnen: Für reine Straßenmotorräder und Fahrer, die ausschließlich Asphalt fahren möchten, ist diese Variante nicht geeignet. Wer die Strecke trotzdem fahren möchte, sollte langsam und vorausschauend unterwegs sein und unnötige Risiken vermeiden. Gerade bei unbekanntem Untergrund können sich die Bedingungen jederzeit ändern.
Wieder Asphalt – und Richtung Chefchaouen
Nach dem Pistenabschnitt wird die Straße wieder befestigt und die Zivilisation nimmt sichtbar zu. Wir treffen erneut auf eine größere Straße und fahren weiter Richtung Tagesziel. Nach rund 13,7 Kilometern erreichen wir einen größeren Ort. Hier treffen unsere beiden Streckenvarianten wieder zusammen. Ab hier geht es für alle gemeinsam weiter Richtung Chefchaouen. Noch etwa 6,3 Kilometer liegen vor uns. Wir fahren über eine Anhöhe – und plötzlich sehen wir es: Die berühmte blaue Stadt liegt vor uns.
Der erste Blick auf die blaue Stadt

Hier lohnt sich unbedingt ein kurzer Halt. Der Blick auf die dicht an den Berghang gebaute Stadt ist beeindruckend. Schon von weitem ist die besondere Farbgebung deutlich zu erkennen. Nach einem kurzen Fotostopp fahren wir weiter zu unserer Unterkunft.
Eine Nacht ganz in Blau
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Eigentlich wollten wir heute in einer anderen Unterkunft übernachten. Doch zwei Wochen vor unserer Ankunft hatte es eine Überschwemmung gegeben. Der Zufahrtsweg war bei unserem Besuch noch nicht wieder passierbar. Also mussten wir umplanen. Unsere neue Unterkunft hat zwar kein eigenes Restaurant – lediglich einen Frühstücksraum –, dafür aber eine Tiefgarage und jede Menge Tradition. Und vor allem: Die Zimmer sind komplett blau. Für mehrere Wochen wäre uns das wahrscheinlich etwas zu viel Blau. Für eine Nacht? Ein echter Hingucker. Außerdem liegen wir mitten in der Stadt.
Zu Fuß in die blaue Medina
Nach dem Einchecken legen wir unsere Motorradkleidung ab und machen uns zu Fuß auf den Weg. Nur etwa 300 Meter und einige Treppen trennen unsere Unterkunft vom Zentrum. Jetzt tauchen wir endgültig in die Welt der blauen Gassen ein. Natürlich ist hier alles auf Besucher eingestellt: Souvenirstände, kleine Geschäfte, Restaurants und die berühmten blau gestrichenen Häuser. Trotzdem gefällt uns die Atmosphäre. Wir suchen uns zunächst ein kleines Restaurant in einer der engen Gassen. Über eine schmale Treppe geht es in den ersten Stock. Oben finden wir noch einen freien Tisch. Rund um uns herum sitzen Menschen aus aller Welt. Das Essen ist günstig und lecker – genau das Richtige nach 300 Kilometern auf dem Motorrad.
Die blaue Stadt am Abend
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Nach dem Essen gehen wir noch einmal los. Inzwischen dämmert es. Und gerade jetzt gefällt uns die Stadt besonders gut. Die blauen Häuser bekommen im schwindenden Tageslicht eine ganz andere Stimmung. Die engen Gassen wirken fast noch stimmungsvoller als am Nachmittag. Allerdings sind immer noch viele Besucher unterwegs. Für ein Foto ohne andere Menschen müssen wir teilweise etwas Geduld mitbringen. Zwischendurch entdecken wir immer wieder kleine Souvenirstände. Wer möchte, kann hier natürlich problemlos ein Andenken an die blaue Stadt mitnehmen. Wir lassen uns einfach treiben. Man kann hier problemlos mehrere Stunden durch die Gassen laufen, ohne dass es langweilig wird. Gegen 22 Uhr machen wir uns langsam auf den Rückweg. Für uns ist es ein rundum gelungener Marokko-Tag.
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