Übersichtskarte der Motorradstrecke MM2 am zweiten Reisetag durch MarokkoName: MM2
Länge: 306 km
Dauer: 9 Std
Höhe: 195 m 
Fazit: 
Der zweite Tag ist zwar mit über 300 Kilometern ordentlich lang, aber für uns eine perfekte Mischung aus Strecke und Kultur. Mit Rabat und Casablanca erleben wir gleich zwei völlig unterschiedliche Seiten Marokkos – und bekommen immer mehr das Gefühl, wirklich mitten in unserem Motorradabenteuer angekommen zu sein.

Tag 2 – Von der Küste über Rabat nach Casablanca

Unsere erste Nacht in Marokko liegt hinter uns. Wir haben gut geschlafen, gehen morgens gemütlich frühstücken und machen uns anschließend daran, unsere Motorräder zu beladen. Jetzt ist es endgültig so weit: Unsere Motorradreise durch Marokko beginnt. Den ersten Etappenort kennen wir bereits von früheren Reisen. Bisher waren wir allerdings immer mit dem Wohnmobil und den Motorrädern auf dem Anhänger unterwegs. Viel hat sich seit unseren letzten Besuchen nicht verändert. Lediglich einige Bereiche entlang der Strandpromenade wurden inzwischen modernisiert. Heute liegen rund 306 Kilometer vor uns. Da wir auf der Strecke gleichzeitig zwei wichtige Städte besuchen möchten, entscheiden wir uns bewusst für die schnelle Variante mit einem größeren Autobahnanteil. Die Küstenstraße wäre sicherlich ebenfalls interessant, zieht sich allerdings deutlich länger hin und führt teilweise so weit vom Meer entfernt, dass wir von der Küste gar nicht besonders viel mitbekommen würden. Deshalb gilt für uns heute: Kilometer machen, damit genügend Zeit für die Sehenswürdigkeiten bleibt. Wer mehr Zeit mitbringt, kann diese Strecke natürlich ganz entspannt auf zwei oder sogar drei Tage verteilen.

Von der Küste Richtung Rabat

Wir verlassen unseren ersten Übernachtungsort und schon am Ortsausgang sehen wir – wie so oft in Marokko – eine Polizeikontrolle. Für uns gehört das inzwischen einfach zum marokkanischen Straßenbild. Zunächst fahren wir ein kurzes Stück über die Landstraße, bevor wir auf die Autobahn auffahren. Jetzt können wir Kilometer machen. Die Strecke ist gut ausgebaut und wir kommen zügig in Richtung Süden voran.

Abstecher zu einer Lagune

Landschaft an einer Küstenlagune entlang der Motorradstrecke nach Rabat in Marokko

Wer etwas mehr Zeit zur Verfügung hat, kann unterwegs einen Abstecher zu einem kleinen Küstenort an einer Lagune einplanen. Die Gegend ist vor allem für ihre Landschaft und die Vogelwelt bekannt und bietet eine schöne Möglichkeit, die Autobahn für eine Weile hinter sich zu lassen. Wir verzichten diesmal allerdings darauf. Unser erstes großes Ziel heißt Rabat.

Rabat – die Stadt des Königs

Blick auf Rabat während der Motorradreise durch Marokko

Nach rund 177 Kilometern auf der Autobahn verlassen wir diese und fahren über kleinere Straßen weiter in Richtung Rabat. Schon bei der Einfahrt in die Stadt fällt uns etwas auf: Überall sind uniformierte Männer zu sehen. An Straßen, vor wichtigen Gebäuden und rund um die königlichen Anlagen stehen Wachen und Sicherheitskräfte. Teilweise beobachten sie scheinbar einfach das Geschehen am Straßenrand. Für uns ist das zunächst ungewohnt. Rabat ist nicht nur die Hauptstadt Marokkos, sondern auch eng mit dem Königshaus verbunden. Hier befinden sich wichtige Regierungsgebäude und der Königspalast. Entsprechend präsent sind Polizei, Sicherheitskräfte und die Königliche Garde. Besonders auffällig sind die traditionellen Uniformen der königlichen Wachen. Allerdings lernen wir schnell: Nicht jeder Uniformierte gehört automatisch zur Königlichen Garde. Je nach Standort treffen wir auch auf Polizei oder andere Sicherheitskräfte. Wir fahren deshalb bewusst etwas zurückhaltender und aufmerksam durch die Stadt. Vor königlichen oder militärischen Einrichtungen halten wir nicht einfach an und versuchen auch nicht, die Wachen aus nächster Nähe zu fotografieren. Lieber suchen wir uns einen geeigneten Parkplatz und erkunden die Sehenswürdigkeiten zu Fuß. Und genau diese Mischung macht Rabat für uns so interessant: moderne Hauptstadt, breite Boulevards, gepflegte Anlagen – und überall die sichtbare Präsenz der Monarchie.

Der Hassan-Turm

Hassan-Turm in Rabat mit den Säulenresten der unvollendeten Moschee

Hassan-Turm und historische Säulenreste der geplanten Moschee in Rabat

Unser erstes großes Ziel in Rabat ist der Hassan-Turm. Wir haben Glück und finden tatsächlich nur wenige Meter von der Anlage entfernt einen Parkplatz. Die Parkmöglichkeiten sind begrenzt und natürlich sind auch zahlreiche Touristen unterwegs. Ein freundlicher Einheimischer winkt uns schließlich auf einen freien Platz und bietet an, auf unsere Motorräder aufzupassen. Für einen kleinen Betrag können wir unsere Motorräder guten Gewissens stehen lassen. Er schnappt sich eine Sitzgelegenheit und setzt sich direkt neben unsere Bikes. Damit können wir beruhigt losziehen. Nach ungefähr 50 Metern stehen wir bereits vor dem Eingang zur großen Anlage. Und dort erleben wir gleich die nächste Überraschung: Eine Wachablösung zu Pferd. An den Toren stehen die berittenen Wachen und gerade findet der Wechsel statt. Für uns ist das ein richtig schönes Erlebnis – und natürlich wird erst einmal fleißig fotografiert. Dann geht es weiter zum Hassan-Turm. Der rund 44 Meter hohe Turm ist schon von weitem zu sehen. Wenn wir direkt davorstehen, wird erst richtig deutlich, wie gewaltig das ursprüngliche Bauvorhaben gewesen sein muss. Der Turm entstand Ende des 12. Jahrhunderts unter dem Almohaden-Sultan Yaqub al-Mansur. Hier sollte eine riesige Moschee entstehen, die zu den größten der damaligen islamischen Welt gehören sollte. Doch das Projekt wurde nie vollendet. Nach dem Tod des Sultans im Jahr 1199 wurden die Bauarbeiten eingestellt. Heute stehen wir deshalb vor einem unvollendeten Minarett und einer weitläufigen Fläche mit den steinernen Säulenresten der geplanten Moschee. Wir laufen ausgiebig über das Gelände und lassen die Dimensionen erst einmal auf uns wirken. Für uns gehört der Hassan-Turm bei einem Besuch in Rabat unbedingt dazu.

Weiter nach Casablanca

Motorradtour auf der Straße von Rabat in Richtung Casablanca

Nach der Besichtigung heißt es wieder: Helm auf und weiter. Wir verlassen Rabat und fahren wieder auf die Schnellstraße in Richtung Casablanca. Noch einmal liegen rund 80 Kilometer vor uns. Die Strecke ist schnell erledigt und schon bald verändert sich das Stadtbild.

Casablanca – Marokkos Wirtschaftsmetropole

Wenn wir nach Casablanca kommen, merken wir sofort: Hier ist Marokko anders. Casablanca ist keine klassische Touristenstadt wie Marrakesch oder Fès. Die Stadt ist modern, geschäftig und voller Verkehr. Sie ist das wirtschaftliche Zentrum Marokkos und wirkt an vielen Stellen fast wie eine europäische Großstadt. Breite Straßen, moderne Gebäude und Geschäftsviertel wechseln sich mit traditionellen Stadtvierteln ab. Für uns Motorradfahrer bedeutet das vor allem: Augen auf und ruhig bleiben. Autos, Taxis, Mopeds und Fußgänger teilen sich den Straßenraum. Jeder scheint irgendwie seinen eigenen Rhythmus zu haben. Wir fahren deshalb lieber defensiv und lassen uns von der Hektik nicht anstecken.

Die Hassan-II.-Moschee

Unser eigentliches Ziel in Casablanca ist allerdings ein Bauwerk, das man kaum übersehen kann: die Hassan-II.-Moschee. Wir finden einen Parkplatz nicht weit von der Moschee entfernt und machen uns mit unseren Helmen unter dem Arm zu Fuß auf den Weg. Und dann stehen wir davor. Die Moschee liegt direkt am Atlantik und gehört für uns zu den beeindruckendsten Bauwerken unserer gesamten Marokko-Reise. Schon von weitem ist das gewaltige Minarett zu erkennen. Mit rund 200 Metern Höhe gehört es zu den höchsten Minaretten der Welt. Die Moschee wurde zwischen 1986 und 1993 errichtet und 1993 eingeweiht. Was uns besonders beeindruckt, ist ihre Lage: Die Moschee steht teilweise direkt über dem Atlantik. Wir stehen davor, schauen auf das Meer und auf dieses riesige Bauwerk und können gut verstehen, warum gerade dieser Platz gewählt wurde. Die Kombination aus Meer, Architektur und der gewaltigen Größe ist wirklich beeindruckend. Wer die Moschee ausführlicher besichtigen möchte, sollte dafür etwas Zeit einplanen. Die Besichtigungsmöglichkeiten und Führungszeiten können sich ändern – deshalb empfiehlt es sich, vor dem Besuch kurz die aktuellen Informationen zu prüfen. Weitere Informationen zur Hassan-II.-Moschee haben wir in unserem Reiseführer zusammengestellt.



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