Name: MM11
Länge: 214 km
Dauer: 6 Std
Höhe: 2305 m
Fazit:
Durch die Bergwelt zu den Wasserfällen
Heute verlassen wir die karge Landschaft rund um unsere letzte Station und tauchen wieder tief in die marokkanische Bergwelt ein. Die Strecke durch das Atlasgebirge war früher eine beliebte Offroad-Piste – nicht nur wegen ihres anspruchsvollen Untergrunds, sondern vor allem wegen der beeindruckenden Landschaft. Für uns Motorradfahrer ist das heute eine richtig schöne Überraschung: Die ehemalige Piste ist inzwischen durchgehend asphaltiert. Damit wird die Strecke auch für reine Straßenmotorräder zu einem echten Erlebnis. Einsame Straßen, kleine Bergdörfer, mehrere Pässe und immer wieder Ausblicke, bei denen wir am liebsten nach jeder Kurve stehen bleiben würden. Am Nachmittag wartet dann mit einem gewaltigen Wasserfall ein völlig anderes Highlight auf uns.
Frühstart in den Bergen
Wie inzwischen fast jeden Morgen steht auch heute um 8 Uhr das Frühstück auf dem Programm und um 9 Uhr sitzen wir auf unseren Motorrädern. Von außen wirkt es manchmal so, als würden wir morgens gemütlich in den Tag starten. Tatsächlich beginnt unser Tag allerdings schon gegen 5:50 Uhr. Dann werden erst einmal unsere Bestellungen abgearbeitet und die Post für zu Hause vorbereitet. Erst wenn das erledigt ist, können wir uns ganz auf unsere Reise konzentrieren. Vor der Abfahrt heißt es noch einmal: Tanken! Wer Lebensmittel oder andere Vorräte für die kommenden Tage benötigt, sollte die Gelegenheit ebenfalls nutzen. Auf unserer heutigen Strecke gibt es keine großen Supermärkte mehr. Gerade wenn wir abends in kleineren Orten oder familiären Unterkünften landen, ist ein kleiner Vorrat durchaus praktisch.
Noch einmal zurück – und dann hinein in die Berge
Von der Tankstelle am Ortsende fahren wir zunächst ungefähr zehn Kilometer auf der gestrigen Strecke zurück. Unterwegs besteht die Möglichkeit, zu einem großen Solarkomplex mit weithin sichtbarem Solarturm abzubiegen. Der Abstecher beträgt insgesamt rund 22,6 Kilometer. Wir verzichten diesmal darauf, denn wir kennen die beeindruckende Anlage bereits von früheren Reisen. Ganz verschwunden ist sie aus unserem Tag allerdings nicht: Einige Kilometer nach dem Abzweig sehen wir den Solarturm von unserer heutigen Strecke aus noch einmal in der Ferne. Danach geht es weiter und wenig später biegen wir in Richtung der Bergregion ab. Und plötzlich ändert sich die Landschaft.
Ehemalige Offroad-Strecke wird zum Straßenmotorrad-Traum

Was früher eine begehrte Schotterpiste für Offroadfahrer war, präsentiert sich heute als durchgehend asphaltierte Bergstrecke. Bei unserem Besuch gibt es allerdings einige Baustellen. An mehreren Stellen wird die Straße repariert oder verbreitert – unter anderem als Folge starker Überschwemmungen, die es in Marokko gegeben hat. Für uns ist das aber kein Grund zur Umkehr. Die Baustellen sind überschaubar und der größte Teil der Strecke präsentiert sich mit Asphalt. Viel wichtiger ist ohnehin das, was rechts und links der Straße passiert. Wir fahren in eine atemberaubende Bergwelt hinein. Die Straße zieht sich durch eine fast menschenleere Landschaft, vorbei an kleinen Dörfern und immer weiter hinauf in die Berge. Außerhalb der Ortschaften begegnen uns nur wenige Fahrzeuge. Genau solche Strecken lieben wir. Wir können anhalten, wann immer wir möchten. Kein dichter Verkehr, keine großen Parkplätze und keine Menschenmassen, die uns schon beim Fotografieren zuschauen. Einfach Motorrad abstellen, Helm abnehmen und die Landschaft auf uns wirken lassen. Und eigentlich würden wir am liebsten nach jeder Kurve wieder anhalten.
Über mehrere Pässe auf mehr als 2.300 Meter


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Die Straße schlängelt sich immer weiter nach oben und führt uns schließlich über einen Pass auf rund 2.150 Metern Höhe. Die Kurven machen richtig Spaß, aber vor allem die Landschaft sorgt dafür, dass wir unser Tempo immer wieder freiwillig reduzieren. In den Wintermonaten muss diese Region noch einmal ganz anders aussehen. Dann können auf den umliegenden Gipfeln Schneefelder zu sehen sein. Bei unserem Besuch ist davon nichts zu sehen – dafür genießen wir die klare Sicht und die gewaltigen Bergflanken. Weiter geht es über einen zweiten Pass auf etwa 2.180 Meter. Danach erreichen wir einen weiteren, namenlosen Bergpass auf rund 2.305 Metern. Damit erreichen wir den höchsten Punkt unserer heutigen Etappe. Eine spektakuläre Passhöhe mit großem Schild oder Souvenirständen gibt es hier nicht. Und genau das gefällt uns. Wir stehen einfach mitten in den Bergen, weit weg von den bekannten touristischen Routen.
Abwärts zurück in die Zivilisation

Nach dem höchsten Punkt geht es wieder bergab. Langsam verändert sich die Landschaft. Die hohen Berge treten etwas in den Hintergrund und wir erreichen wieder einen größeren Ort. Hier bekommen wir deutlich mehr vom normalen marokkanischen Alltag mit. Der Verkehr nimmt zu, Menschen sind unterwegs und die Landschaft wird wieder grüner. Nach den einsamen Bergkilometern ist dieser Wechsel fast schon ungewohnt. Wir fahren weiter durch kleinere Orte und biegen anschließend in Richtung unseres heutigen Ziels ab. Damit beginnt der letzte Abschnitt unserer Tour.
Wasserfälle und freilebende Affen
Unsere Unterkunft liegt etwas außerhalb des Ortszentrums und erhöht am Hang. Die Motorräder stellen wir seitlich am Hotel ab. Dann heißt es allerdings erst einmal Treppensteigen: Rund 20 Stufen führen hinauf zur Unterkunft. Das Haus selbst ist etwas Besonderes. Es ist ungefähr fünf Stockwerke hoch, besitzt keinen Aufzug und wirkt ausgesprochen familiär. Kaum angekommen, bekommen wir zur Begrüßung erst einmal einen marokkanischen Tee. Genau solche Unterkünfte mögen wir auf unseren Reisen. Kein anonymes Hotel, sondern ein Haus mit persönlicher Atmosphäre. Nachdem wir eingecheckt haben, machen wir uns direkt auf den Weg zu unserem eigentlichen Tagesziel: den großen Wasserfällen.
Zu Fuß zu den Wasserfällen

Von unserer Unterkunft sind es ungefähr 250 Meter bis zu den Wasserfällen. Sie gehören zu den bekanntesten Natursehenswürdigkeiten Marokkos und werden häufig als eine der größten Wasserfallanlagen Afrikas bezeichnet. Rund um die Fälle herrscht entsprechend viel Leben. Wer möchte, kann sich bereits am Eingang einen einheimischen Führer nehmen. Man muss das aber nicht. Wir gehen zunächst selbst los, vorbei an kleinen Kiosken und über die großen Treppen hinunter in Richtung Wasser. Schon unterwegs gibt es immer wieder kleine Aussichtspunkte mit tollen Fotomotiven. Und dann entdecken wir die nächsten Bewohner dieser Gegend: Affen.
Affen als Fotomotiv

Die Tiere bewegen sich hier frei und sind längst an Besucher gewöhnt. Wenn wir Interesse zeigen oder fotografieren möchten, ist meistens auch schnell jemand aus der Umgebung zur Stelle. Bei unserem Besuch wird uns für ungefähr einen Euro angeboten, die Affen für ein Foto auf den Rücken steigen zu lassen. Der kleine Trick dahinter ist schnell erklärt: Es gibt Futter. Solange das Futter vorhanden ist, sind die Affen plötzlich ausgesprochen interessiert an uns. Sie klettern auf den Rücken, setzen sich neben uns und sorgen für ziemlich ungewöhnliche Urlaubsmotive. Wir müssen zugeben: Wir genießen das. Nach den vielen einsamen Kilometern durch die Berge ist der Trubel rund um die Wasserfälle ein völlig anderer Kontrast.
Ein Tag voller Gegensätze
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Am Vormittag noch einsame Bergstraßen, Passhöhen über 2.300 Meter und kaum ein Fahrzeug weit und breit. Am Nachmittag dann Treppen, Wasserfälle, Besucher, kleine Verkaufsstände und freilebende Affen. Genau diese Gegensätze machen für uns die Reise durch Marokko so spannend. Wir wissen morgens nie ganz genau, was uns am Nachmittag erwartet. Und genau das macht das Motorradfahren hier so abwechslungsreich.
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