Übersichtskarte der sechsten Motorradreise-Etappe in Marokko von der Atlasregion über die Agafay-Steinwüste bis nach MarrakeschName: MM6
Länge: 116-174 km
Dauer: 4-6 Std
Höhe: 1230 m 
Fazit: 
Aus einer kurzen Etappe wird durch unseren Abstecher ein abwechslungsreicher Fahrtag mit Bergen, Flusstal, Steinwüste und Großstadt. Besonders schön finden wir den Kontrast zwischen der ruhigen Landschaft unterwegs und dem quirligen Marrakesch am Abend.


Atlasvorland - Agafay-Steinwüste - Marrakesch

Heute verbinden wir gleich mehrere völlig unterschiedliche Seiten Marokkos miteinander: den ruhigen Start in den Bergen, eine kurvenreiche Strecke durch das Atlasvorland, ein grünes und lebendiges Flusstal, die karge Landschaft der Agafay-Steinwüste und zum Abschluss das quirlige Marrakesch. Eigentlich stehen nur rund 116 Kilometer bis zu unserem Tagesziel auf dem Programm. Durch den zusätzlichen Abstecher ins Flusstal werden daraus etwa 174 Kilometer. Für uns ist es damit eine vergleichsweise kurze Etappe – aber eine mit erstaunlich vielen unterschiedlichen Eindrücken.

Frühstück in der alten Kasbah

Frühstück in einem traditionellen Raum der alten Kasbah mit historischem Kamin und rustikaler Atmosphäre

Wir wachen morgens in unserer einfachen Unterkunft auf und haben sofort wieder dieses besondere Gefühl, wirklich in Marokko angekommen zu sein. Gegen 8 Uhr wird das Frühstück in einem älteren Kasbah-Raum serviert. Der Kamin, die alten Mauern und die ruhige Atmosphäre machen daraus mehr als nur eine Mahlzeit. Es ist einer dieser Momente, bei denen wir uns gerne etwas Zeit lassen. Danach geht es ans Motorräderpacken. Die Maschinen stehen im Innenhof und lassen sich dort gut für die nächste Etappe vorbereiten. Ein kleiner Hinweis gehört allerdings dazu: Die letzten rund 50 Meter der Zufahrt sind nicht asphaltiert. Mit voll beladenen Motorrädern heißt es deshalb langsam und aufmerksam fahren.

 






Durch das Atlasvorland

Motorradroute durch das Atlasvorland mit kurvenreicher Straße, Flusstal, Feldern und Berglandschaft

Wir verlassen unsere Unterkunft und fahren zunächst weiter durch das Atlasvorland. Die Strecke ist für uns ein schöner Kontrast zum gestrigen Passabenteuer. Immer wieder begleitet uns ein Fluss durch das Tal, während sich die Straße mal direkt am Wasser entlangzieht und dann wieder etwas höher hinaufwindet. Dazwischen liegen kleine Ortschaften, Felder und immer wieder herrliche Ausblicke in die Berglandschaft. Die Straße ist nicht unbedingt spektakulär im Sinne einer großen Passstraße – gerade das macht sie aber so angenehm. Wir rollen durch die Landschaft, nehmen die vielen kleinen Kurven mit und können zwischendurch immer wieder den Blick schweifen lassen. Unser Tipp für Motorradfahrer: Nicht nur auf die Kurven achten. Gerade in den Ortschaften können Fußgänger, Mopeds, Tiere oder plötzlich abbiegende Fahrzeuge auf der Fahrbahn auftauchen.

Entscheidungspunkt: Noch ins Flusstal?

Auf dem weiteren Weg Richtung Marrakesch kommt die Frage auf: Fahren wir direkt weiter oder gönnen wir uns noch einen Abstecher in ein bekanntes Flusstal? Der zusätzliche Weg liegt bei rund 58 Kilometern. Bei schönem Wetter ist dieser Abstecher definitiv eine Überlegung wert. Gleichzeitig sollte man bedenken, dass man nach den vergangenen Tagen irgendwann auch einmal in Marrakesch ankommen möchte. Wer am Nachmittag noch den Souk besuchen will, sollte die zusätzliche Fahrzeit deshalb unbedingt einplanen. Wir entscheiden uns für den Abstecher. Und das ist gut so.

Grünes Flusstal – Wasser, Berge und Restaurants im Fluss

Grünes Flusstal bei Marrakesch mit Wasserlauf, umliegenden Bergen und Restaurants direkt am Fluss

Das Tal gehört zu den bekannten Ausflugszielen rund um Marrakesch. Entsprechend touristisch geht es teilweise zu. Trotzdem gefällt uns die Strecke. Immer wieder liegen kleine Restaurants direkt am Fluss. Tische und Bänke stehen teilweise sogar mitten im Wasser. Das wirkt urig und ist sicherlich eine der Besonderheiten dieser Gegend. Für Motorradfahrer hat das Tal allerdings zwei Seiten: Die Landschaft ist schön, aber an beliebten Stellen kann ordentlich Verkehr herrschen. Besonders an sonnigen Tagen kommen viele Besucher aus Marrakesch hierher. Wir genießen den Abstecher, schauen uns die Landschaft an und machen uns anschließend wieder auf den Rückweg.

Wieder auf gemeinsamer Strecke

Nach unserem Abstecher treffen wir wieder auf die Strecke, die auch von der anderen Routenvariante genutzt wird. Und damit wartet bereits der nächste Landschaftswechsel auf uns.

Die Agafay-Steinwüste

Karge, steinige Landschaft der Agafay-Steinwüste mit weiten Flächen und trockenem Gelände nahe Marrakesch

Die Agafay-Wüste liegt nur rund 40 Kilometer von Marrakesch entfernt und ist deshalb ein beliebtes Ausflugsziel. Allerdings sollte man sich unter Agafay keine klassische Sandwüste wie die Sahara vorstellen. Die Agafay ist eine Stein- und Geröllwüste. Sanddünen sucht man hier weitgehend vergeblich. Dafür gibt es eine beeindruckende, karge Landschaft mit weiten Blicken und einer ganz eigenen Atmosphäre. Wir fahren rund 19 Kilometer auf einer kleinen asphaltierten Straße mitten durch diese Landschaft. Für uns als Motorradfahrer ist allein diese Kombination schon etwas Besonderes: Asphalt unter den Rädern und ringsum eine fast wüstenartige Landschaft. Gleichzeitig merken wir schnell, dass die Agafay längst kein Geheimtipp mehr ist. Quad-Touren, Kamelritte und Safarifahrten gehören inzwischen zum festen touristischen Angebot. Praktisch alles, was in Marrakesch Touristen transportiert, bietet auch Ausflüge in die Agafay-Wüste an. Wer absolute Ruhe und Einsamkeit erwartet, wird deshalb vielleicht überrascht sein. Wer die Landschaft erleben möchte, kommt trotzdem auf seine Kosten.

Weitere Eindrücke von der kargen Steinlandschaft der Agafay-Wüste auf der Motorradroute nach Marrakesch

 

Von der Steinwüste in den Großstadtverkehr

Straße auf der Fahrt von der Agafay-Steinwüste in Richtung Marrakesch mit zunehmendem Verkehr im Stadtumfeld

Nach unserem Abstecher fahren wir weiter Richtung Marrakesch. Und jetzt ändert sich die Stimmung erneut. Je näher wir der Stadt kommen, desto dichter wird der Verkehr. Nach den ruhigen Straßen des Atlasvorlandes und der offenen Landschaft der Steinwüste müssen wir uns wieder auf das typische Gewusel rund um die Großstadt einstellen. Für uns heißt das: Abstand halten, aufmerksam bleiben und nicht versuchen, jede noch so kleine Lücke mitzunehmen. Marrakesch ist schließlich kein Ort, an dem wir noch schnell ein paar sportliche Kilometer sammeln wollen. Hier zählt nur noch: Ruhig durchkommen und das Hotel erreichen.
Ankunft im Stadtgebiet von Marrakesch mit dichtem Straßenverkehr auf den letzten Kilometern zum Hotel

 

Motorräder sicher in der Tiefgarage

Unser Tagesziel ist ein Hotel in Marrakesch. Nach der Ankunft können wir die Motorräder sicher in einer Tiefgarage abstellen. Das ist für uns ein wichtiger Punkt, denn jetzt beginnt der Teil des Tages, an dem die Motorräder einmal Pause haben. Wir checken ein, beziehen unsere großzügigen Zimmer und überlegen kurz, wie wir am besten zum Souk kommen. Die Lösung ist schnell gefunden: Taxi.
Motorradreise-Pause in Marrakesch nach der Ankunft am Hotel und dem sicheren Abstellen der Motorräder

Mit dem Taxi zum Souk

Bevor wir losfahren, fragen wir an der Rezeption nach den Zeiten für das Abendessen. Wir möchten schließlich nicht zu spät zurückkommen. Gleichzeitig bitten wir die Rezeption, dem Taxifahrer genau zu erklären, wo er uns später wieder abholen soll. Wir vereinbaren eine bestimmte Uhrzeit und einen Treffpunkt am großen Platz beim Souk. Das funktioniert erstaunlich gut. Für uns ist das die deutlich angenehmere Lösung, als mit den Motorrädern in das Gewusel der Innenstadt zu fahren. Die Maschinen bleiben sicher im Hotel und wir können uns völlig entspannt in das Abenteuer Marrakesch stürzen.

Drei Stunden durch den Souk

Dann beginnt unsere Expedition durch den Souk. Etwa drei Stunden sind wir unterwegs und lassen uns einfach durch die vielen kleinen Geschäfte und Verkaufsstände treiben. Man bekommt hier tatsächlich fast alles: Kleidung, Lederwaren, Schuhe, Gewürze, Kunsthandwerk, Souvenirs und unzählige Dinge, von denen wir vorher gar nicht wussten, dass es sie überhaupt gibt. Natürlich ist der Souk touristisch geprägt. Ein großer Teil der Besucher kommt aus aller Welt. Gleichzeitig wirkt das Ganze heute deutlich entspannter, als wir es aus früheren Besuchen kennen. Die Händler preisen ihre Waren nicht mehr überall lautstark an und auch das intensive Feilschen scheint nicht mehr an jeder Ecke im Mittelpunkt zu stehen. Für uns fühlt sich der Souk inzwischen eher wie ein riesiger Markt an, durch dessen enge Gassen wir gemütlich schlendern können. Wir schauen, lassen uns treiben und nehmen die besondere Atmosphäre einfach auf. Nach einigen Stunden gönnen wir uns noch einen Kaffee. Dann heißt es zurück zum vereinbarten Treffpunkt.
Blick in den traditionellen Souk von Marrakesch mit kleinen Läden, Marktständen und Waren in den engen Gassen

Einblick in das Marktleben des Souks von Marrakesch mit traditionellen Waren und Verkaufsständen Traditionelle Marktgasse im Souk von Marrakesch mit kleinen Geschäften und Verkaufsständen Eindrücke aus dem Souk von Marrakesch mit traditionellem Kunsthandwerk und buntem Marktangebot


Alles klappt wie geplant

Wir treffen unseren Taxifahrer zur vereinbarten Zeit am großen Platz wieder. Ohne langes Suchen geht es zurück zum Hotel. Für uns ist das ein guter Tipp für Marrakesch: Wenn man das Motorrad sicher am Hotel stehen lassen kann, ist ein Taxi für den Abend einfach die entspanntere Variante. Man muss sich weder um den Verkehr noch um die Parkplatzsuche kümmern und kann den Souk wirklich genießen.

Abendessen im Hotel

Zurück im Hotel wartet bereits das Abendessen in Buffetform auf uns. Auch alkoholische Getränke werden angeboten, unter anderem können wir Wein bestellen. Nach dem langen Tag lassen wir den Abend deshalb ganz gemütlich im Hotel ausklingen. Das Hotel ist sicher nicht die luxuriöseste Adresse der Stadt, aber für unsere Motorradreise passt es sehr gut. Die Zimmer sind großzügig, die Motorräder stehen geschützt in der Tiefgarage und die Lage eignet sich gut, um die Stadt mit dem Taxi zu erkunden. Wer mehr Zeit hat, sollte überlegen, hier noch einen zusätzlichen Tag einzuplanen.



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